Rennrudern

Der Traum vom Gold! Welcher Sportler träumt nicht davon, einmal zu großen sportlichen Ehren zu kommen und ganz oben auf dem berühüten „Treppchen“ zu stehen? Welches Vereinsfest erhält seinen besonderen Glanz nicht zuletzt durch den Ruhm der erfolgreichen Athleten. Sportliche Erfolge sind die Grundlage für jeden lebendigen Sportverein und führen darüber hinaus durch Öffentlichkeitsarbeit zu einer gewissen Bekanntheit und wirken sich somit auch positiv auf die Werbung neuen Rudernachwuchses aus.
Die Förderung der Jugend und des Wettkampfruderns zieht sich folglich wie ein roter Faden durch unsere Vereinsgeschichte. Dies zeigt sich besonders in den Zeiten nach den Weltkriegen, als der Verein vor dem Nichts stand und durch eine erfolgreiche Jugendarbeit in kurzer Zeit wieder zahlreiche Mitglieder anwarb und ein bewegtes Vereinsleben einleitete.

Die Ausbildungsanfänge im Ruderkasten

In den Gründerjahren ruderten nur wenige Herren mittleren Alters und bereits nach wenigen Jahren drohte der Ruderbetrieb vollständig einzuschlafen. Die Vereinschronik zum 50-jährigen Vereinsjubiläum übeliefert die Situation in der damaligen Zeit: „…auch der Ruderbetrieb ließ in bedenklichem Maße nach. … Erst als wir auf breiter Basis zu werben begannen, gelang es, eine Reihe von Jugendlichen aus der Bürgerschaft der Stadt für das Rudern zu gewinnen. Ein weiteres Mittel der Anziehung war der neue Ruderkasten, der im Bassin der stätischen Badeanstalten am Rhein untergebracht wurde und den Zweck hatte, jungen Ruderern schon im Winter die Möglichkeit zur Ausbildung zu geben. Dies geschah im Jahre 1910.“
Der Erfolg stellte sich bereits im folgenden Jahr ein: Eine Jugendmannschaft nahm an der Regatta in Wesel teil. Dieser erste Auftritt eines Bootes des UeRC auf einer Regatta endete mit einem 2.Platz im Doppelzweier.
In alter Ruderertradition fand zu Beginn jeder Rudersaison eine feierliche Trainingsverpflichtung statt, bei der die Trainingsmannschaften gelobten, die Farben des Vereins wüerdig zu vertreten, dem Alkohol, dem Tabak und anderen Dingen „abzuschwören“. Fast 50 Jahre lang wurde diese Tradition der „Trainingsverpflichtung“ am Tag des Anruderns auch bei uns gepflegt
In der Folgezeit nahmen Vereinsmannschaften regelmäßig an Regatten in der Region teil. Den ersten Sieg feierte eine Vierermannschaft 1925 auf der Duisburg-Ruhrorter Regatta, von 1927 datiert der erste Sieg im Rennboot (Regatta Godesberg), 1938 siegte ein Rennvierer in Hamburg erstmalig in einem internationalen Rennen. Seit ihrer GrüEndung 1931 beteiligte sich auch die Damenabteilung an Regatten und feierte, wie damals für Frauen üblich, vornehmlich Erfolge im Stilrudern. Bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine sehr erfolgreiche Trainingsabteilung.

Systematisches Training mit Trainer und Motorboot

Mit Ende des zweiten Weltkrieges stand der UeRC praktisch vor dem Nichts: Das Bootshaus war bis auf den Bootskeller zerstört und alle Boote verschollen. Aber schon 1951 konnten 4 neue Boote getauft werden, in der Folge fand ein enormer Zulauf an neuen Mitgliedern statt. Die erstmalige Einstellung eines Trainers wurde daher notwendig.

In der Chronik zum 50-jährigen Vereinsjubiläum ist zu lesen: „Im Frühjahr 1952 kamen eine Menge Jugendlicher zu uns, die nach systematischer Ruderausbildung verlangten und sich auch zum Training verpflichteten. Da gelang es uns, in Herrn Konrad, einem Deutschen Meister im Riemenzweier, einen tatkräftigen, mit modernen Trainingemethoden vertrauten Sportlehrer zu finden. Ein Altherren-Vierer brachte dem Club die ersten Siege nach dem Krieg, und ein Jungmann-Vierer vertrat 1952 in einem neuerworbenen Rennboot, „Ostpreußen“ unsere Farben nach langer Unterbrechung auf den westdeutschen Regattaplätzen in der Herrenklasse.“

Im folgenden Jahr vergrößerte sich die Trainingsabteilung auf drei Vierermannschaften (Damen, Herren, Jugend). Der Regattakalender beinhaltete im Frühjahr und Herbst das „Dauerrudern“ in Rees bzw. Wesel sowie eine Vielzahl anderer Regatten in der Region, wobei durchschnittlich etwa 10 Saisonsiege pro Jahr „eingefahren“ werden konnten. 1954 folgte, nachdem Trainer Konrad wieder zurück zum Duisburger RV wechselte, mit Herrn Lüttig ein neuer Trainer, der erstmals ein Wintertraining einrichtete. Die Chronik berichtet: „Das Wintertraining bestand aus einem Schwimmabend, an dem unsere Mitglieder freundlicherweise am Rettungsschwimmen der DLRG Uerdingen teilnehmen durften, aus zwei Trainingsabenden im Ruderkasten und einem Tischtennisabend.“
1955 begann die Ära von Karl Eicheler. Er leitete 20 Jahre lang das Training und war außerdem viele Jahre als Schiedsrichter und Regattaleiter u.a. der Niederrheinregatta in Wesel tätig. Wieder gab es Neuerungen im Training: Ein Trainer-Motorboot, „Leguval“, wurde angeschafft. Aber „Karlchen“ Eicheler war auch oft mit dem Auto im Hafen unterwegs und beobachtete von allen möglichen Plätzen aus, ob die Mannschaften sich an sein Trainingsprogramm hielten. Zu frühes Wenden am Hafenende hatte stets eine zusätzliche „Runde“ zur Folge.
Mit Karl Eicheler avancierte der UeRC zum erfolgreichsten Verein des Niederrheins. Herausragende Erfolge in den 50er Jahren waren der zweitePlatz in der Vereinswertung des Jungruderwettbewerbs NRW 1955 (der heutigen Landesmeisterschaft) und die Qualifikation eines Vierers für den Jugendbestenwettbewerb (der heutigen Deutschen Jugendmeisterschaft) im gleichen Jahr in Heidelberg.

Stellvertretend für viele erfolgreiche Ruderer sollen hier einige aus dieser Zeit genannt werden: Das ist zum einen Joachim Lechner, der in den frühen 60er Jahren mit Rainer Karrenstein, später mit Klaus Wollthan (Crefelder RC) im Doppelzweier 27 Siege erreichte. Helmut Nauen, einer der erfolgreichsten Skiffruderer, gewann in den Jahren 1966 und 1967 alleine 20 Siege! Diese tolle Serie wurde 1968 von Helge Luckenbach fortgesetzt, der aus Düsseldorf zu uns gestoßen war und in den folgenden zwei Jahren 11 Siege im „Altherreneiner“ erruderte. Über eine Zeit von 10 Jahren (1970 – 1980) erwies sich Dieter Bunse als Garant für Siege des Uerdinger Ruderclubs. Anfangs im Einer, später mit Herbert Brauer im Doppelzweier brachte er es insgesamt auf 36 Siege und führt damit die Siegerliste des UeRC an. Die letzten überaus erfolgreichen Mannschaften, die Karl Eicheler trainierte, waren der „Simons-Vierer“ und der „Holz-Vierer“. Norbert Simons, Lutz Schech und Christopher Dammer landeten mit wechselndem 4. Mann über 20 Siege, Hans-Joachim Holz sogar 27 Siege, vornehmlich im Einer und Vierer.

Trainingslager und internationale Regatta Dünkirchen

Nach dem Rücktritt von Karl Eicheler übernahm 1975 mit Hans-Joachim Holz, der gerade sein Abitur am Gymnasium Fabritianum abgelegt hatte, ein „Jungspund“, das Traineramt. Als Neuerung wurde das Wintertraining auch außerhalt des Bootshauses intensiviert, und Trainingspläne für die gesamte Saison wurden mit großer Akribie erarbeitet. Der Trainingsumfang wurde nach und nach auf 5-6 Trainingseinheiten pro Woche gesteigert, die bedeutendste Neuerung war jedoch die Einrichtung eines Trainingslagers zu Beginn der Saison. Bis heute erhalten die Jugendlichen in den Osterferien am Edersee den letzten „Schliff“ für die beginnende Rudersaison.



Den Tag mit einem Waldlauf beginnend, rudern die Trainingsmannschaften mindestens zweimal am Tag und fallen abends, wenn nicht noch ein Fußballspiel auf dem Programm steht, ziemlich erschöpft in ihre Kojen.
Ein großes Highlight einer Rudersaison war zu dieser Zeit der regelmäßige Besuch der Internationalen Regatta in Dünkirchen. Als Ergebnis der Städtepartnerschaft zwischen Krefeld und Dünkirchen nahmen die beiden Krefelder Rudervereine seit 1974 mehrere Jahre lang die Einladung des Sporting Club Dunkerquois zur Pfingstregatta an, während die Franzosen im Herbst unsere Niederrheinregatta besuchten.
Ein besonderes Ereignis waren dabei die Achterrennen, in denen Uerdinger und Crefelder erfolgreich zusammen ruderten. Auch der Autor erinnert sich gerne an die Gastfreundschaft der Franzosen und das internationale „Flair“ dieser Regatta.
Unter den zahlreichen Siegen, die in diesen Jahren eruiert werden konnten, ragen Mannschaften heraus, die dem Verein Meistertitel erbrachten. Den ersten Landesmeistertitel für den Uerdinger Ruderclub erruderten die „Dünnbeine“ Gerd Hebenstreit und Axel Weidemann 1981. In Wetter an der Ruhr siegten sie im Leichtgewichts-Junior-A-Doppelzweier. Ganz oben auf dem Treppchen landete Tim Sternefeld, der im Jahre 1983 die Landesmeisterschaft und 1984 die Deutsche Meisterschaft im Junior-A-Einer in München gewann und am Junioren-Championat im schwedischen Jönköpping teilnehmen durfte. Im gleichen Jahr (1984) erreichten Stefan Mostardt und Christian Poppe einen 4. Platz bei den Deutschen Junioren Meisterschaften im leichten Zweier o. St.

Renngemeinschaften

1986 bis 2001 war Lothar Drnec Trainer im UeRC.
Mit der Anschaffung der ersten modernen Ruderergometer und der Einrichtung des Kraftraums im ehemaligen Jugendsaal hatte der ehrwürdige Ruderkasten endgültig ausgedient und wurde einbetoniert.
Nach der „Wende“ wurden die Bedingungen für unsere erfolgsverwöhnten Ruderer schwieriger, da es plötzlich eine große Konkurrenz aus den neuen Bundesländern gab, die besonders in der Nachwuchsarbeit sehr gute Trainingsmöglichkeiten besaßen. Um auch unseren talentierten Ruderrinnen und Ruderern eine Erfolgsmöglichkeit zu geben, bildete Lothar Drnec in seinen Trainerjahren Renngemeinschaften mit anderen Vereinen. Die erruderten Siege wurden zwar weniger, aber auch bedeutender: So gewann Tim Sternefeld 1988 bei den Eichkranzmeisterschaften (U23) „Silber“ und bei den Deutschen Meisterschaften „Bronze“ (im Boot der Düsseldorfer Germania) jeweils im umgesteuerten Männer-Vierer. Im LG-Doppelvierer wurden Frank Wischniewski 1991 mit der TU Karlsruhe Deutscher Hochschulmeister. Carsten Lehr gewann 1993 die Deutsche Meisterschaft im leichten Vierer o. St. Er ruderte an seinem Studienort im Boot des Hannoverschen Ruder Clubs. Andre Borusiak gewann auf der DJM 1992 die Bronzemedaille im leichten Vierer o.St. und Miriam Winzen im Kinder-Einer 1998 das Bundesfinale in Münster.
Für Adrian Kasprowicz war 1999 ein sehr erfolgreiches Jahr, zusammen mit seinem Neusser Partner stand er auf verschiedenen Regatten 15 Mal in unterschiedlichen Bootsgattungen auf dem Siegertreppchen. Höhepunkt war die Deutschen Junioren Meisterschaften in München, hier wurde er Zweiter im Zweier ohne und belegte im Achter Platz 5.

Die erfolgreichen Damen des UeRC

Ab 2001 übernahm Tobias Kramm das Amt des Vereins-Trainers. Während seiner erfolgreichen Tätigkeit trainierte die gesamte Trainingsabteilung in Kooperation mit dem CRC am Elfrather See.



Die Zusammenarbeit mit dem CRC begann verheißungsvoll, da durch die große Trainingsmannschaft schlagkräftige Teams gebildet werden konnten.
Miriam Winzen setzte ihre Ruder – Karriere fort und wurde 2001 zusammen mit Ruderinnen aus Kettwig im Vierer Landesmeisterin von NRW. Ihre bisher größten Erfolge feierte Miriam in den folgenden beiden Jahren: Sie wurde 2002 Junioren-Vizemeisterin und 2003 Deutsche Junioren-Meisterin im Achter. Sie nahm in diesem Jahr als Ersatzfrau mit dem Nationalteam an den Junioren Weltmeisterschaften in Trakai/Litauen teil; in 2003 wurde sie im Deutschland-Vierer für die Weltmeisterschaften in Athen nominiert. Allerdings hatte die gesamte Nationalmannschaft großes Pech, die Ruderer erkrankten in Athen an Salmonellen und mussten unverrichteter Dinge die Heimreise antreten.
Melanie Staelberg erreichte 2004, was Miriam Winzen im Jahr zuvor verpasst hatte: Sie gewann als erste Ruderin des UeRC eine Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft. Obwohl sie erst mit 16 Jahren vom Schwimmen zum Rudern gewechselt war, wurde sie im Jahre 2004 deutsche Meisterin in Riemen-Vierer und Achter und vertrat die deutschen Farben bei der WM in Banyoles/ Spanien. Mit ihren Partnerinnen siegte sie im ungesteuerten Juniorinnen-A-Vierer und gewann WM-Gold.
Die Zusammenarbeit mit dem CRC endete im Frühjahr 2005 abrupt, als Trainer Kramm mit der gesamten Juniorenmannschaft zum CRC wechselte.

Talentsuche über Kinderausbildung

Nach Verlust von Trainer und gesamter Juniorenmannschaft stand die Rennruder-Abteilung vor dem Aus. Glücklicherweise erklärte sich Andreas Horster, der gerade das Examen als Dipl.Ing. bestanden hatte, dazu bereit, das Traineramt zu übernehmen. Er selbst hatte im UeRC unter Lothar Drnec das Rudern gelernt und arbeitete danach als Kindertrainer zunächst bei uns und später im CRC. Zusammen mit Benedikt Winzen leitet er nun die Ausbildung und das Training der jungen Ruderer. Dabei steht ihnen ein Team weiterer Jugendlicher als Ausbilder zur Seite: Margot Kohns, Christian Köker, Niklas Lohmar betreuen die alljäehrliche Talentsichtung an den Uerdinger Schulen, richten die „Schnupperkurse“ ein und bilden die Anfänger aus. Die engagierte Jugendarbeit, die nach kurzer Unterbrechung wieder an unserem Bootshaus stattfindet, zeigt bereits erste Erfolge: Die Jugendabteilung hat einen überaus großen Zulauf. In 2006 gewinnen Julia und Florian Geuer, Mara Kölker, Julius Ebner mit Stm. Martin Sauerwald den Landesentscheid im Mixed-Kindervierer. Zusammen mit Stefanie Gerlach und Maureen Mederer, die Vize-Landessieger im leichten Doppelzweier wurden, qualifizierten sie sich für das Bundesfinale, und gewannen dort mit dem Team NRW die Mannschaftswertung.
Am häufigsten durfte in 2005 und 2006 der Jungen-Vierer mit Stefan Spoden, Christopher Birmes, Caspar Follert, Paul Läuterung und Stf. Lena Genzel am Siegersteg anlegen. Sie sicherten sich insgesamt 9 Siege und erreichten zweimal den dritten Platz im Landeswettbewerb.
Im Junior B Bereich formiert sich langsam ein Team. Franziska Birmes und Simone Krieger ruderten in ihrem ersten Juniorenjahr bereits recht erfolgreich in Doppelzweier und Einer und verdienten sich die Teilnahme an den Deutschen Juniorenmeisterschaften, wo sie grippegeschwächt knapp das Halbfinale verpassten. Torben Höffler und Dominik Ruhnau im Doppelzweier, Carolin Speees und Marvin Heinrichs im leichten Einer sowie Larissa Jagnow und Fiona Kramer im Kindervierer vertraten ebenfalls unsere Farben auf regionalen Regatten.
Die Entwicklung der letzten beiden Jahre zeigt, dass der Verein für die Zukunft gut gerüstet ist. Die Jugendlichen sind sowohl sportlich erfolgreich, als auch inzwischen wieder ins Clubleben integriert, nehmen am traditionellen Ab- und Anrudern teil, veranstalten gemeinsame Ausflüge, LAN-Parties und Wanderfahrten, richten die traditionelle Nikolausfeier aus und beteiligen sich am Karnevalszug.